Selbstdarstellung

„Wenn man von Rom nach Mailand mit dem Zug fahren will und merkt, dass dieser in Richtung Neapel fährt, nutzt es nichts, die Geschwindigkeit zu verlangsamen, man muss aussteigen und in einen Zug mit entgegengesetzter Richtung umsteigen.“
(Serge Latouche)

Nicht zuletzt die Unglücksorte von Tschernobyl und Fukushima mahnen uns, endlich mit der Atomenergie abzuschließen. Weltweit sind 443 Atomkraftwerke in Betrieb, dutzende weitere sind in Planung.
Doch während die Bilder solcher Unglücksorte vor kommenden Katastrophen warnen, ist schon längst der energiepolitische „Normalzustand“
an sich die größte Katastrophe. Neben unkalkulierbaren Risiken der Atomenergie, geht auch die Förderung von und die Energiegewinnung aus Öl, Kohle und Gas zwangsweise mit massiven Umweltzerstörungen einher. Die Zerstörung von Lebens- und Sozialräumen aller dort siedelnden Spezies, ganz gleich ob Mensch, Mücke, Eisvogel oder Frosch, wird billigend in Kauf genommen.
Sie belegt die schwer haltbare Gewalttätigkeit eines energiepolitischen Alltags. In einer Welt, deren ökonomische Ordnung in pervertierter Abhängigkeit zu stetig wachsendem Wachstum steht, kann nicht davon ausgegangen werden, dass das System selbst Lösungen für diese Probleme findet, da die Ursache tief in der kapitalistischen Marktlogik steckt. Es ist offenbar, dass jeder Versuch, innerhalb der Grenzen des Systems diesen Raubbau zu stoppen, scheitert da er nur Symptombekämpfung sein kann, die Wurzel des Problems wird jedoch nicht einmal berührt. Umweltschutz und Kapitalismuskritik sind daher untrennbar aneinander gebunden.

Wie sich in der jüngeren Vergangenheit an verschiedenen Orten zeigte, ist Widerstand möglich!

Wir sind “MAGIE“ und verstehen uns als offener Zusammenschluss von politisch engagierten Menschen aus Osnabrück und Umgebung, die Protest durch direkte Aktionen zum Ausdruck bringen. Wir haben uns das Thema Energiepolitik auf die Flagge geschrieben, da es ein wichtiger Eckpunkt emanzipatorischer Politik ist und aktuellen Protest dringend erfordert. Zu unseren Aktivitäten gehören sowohl das Informieren unser selbst und anderer, als auch die gemeinsame Vorbereitung auf Aktionen.
Unsere thematischen Schwerpunkte liegen bei atomarer Energiegewinnung, insbesondere den Castortransporten, Fracking (ein Verfahren der Erdgasgewinnung) und dem Braunkohleabbau. Eine breite Palette von Aktionsformen haben sich bereits als wirkungsvoll erwiesen und bieten Potenzial weiter ausgebaut zu werden.

Öl:
Die sogenannten “Tar Sands“ in Nordamerika sind ölhaltige Schlammböden. Diese Böden werden abgebaut und aufbereitet, sodass das Öl genutzt werden kann. Um diese Schlämme zu fördern wurde dort jüngst ein Waldgebiet von der Fläche Großbritanniens abgeholzt. Das ist allerdings erst der Anfang. Die Böden sind nach der Gewinnung des Ölsandes stark kontaminiert. Erst als die USA Interesse bekundeten, Pipelines in dieses Gebiet zu bauen, begann sich in der Bevölkerung Widerstand zu formieren.

Braunkohle:
RWE buddelt im rheinischen Braunkohlerevier eine komplette Landschaft um. Häuser, Dörfer, Städte, Wälder, Seen, Wiesen, Autobahnen müssen diesem Irrsinn weichen. Die dort gewonnene Braunkohle wird zum großen Teil in den RWE­ eigenen Braunkohlekraftwerken verfeuert. Dabei erzeugt RWE mit seinen derzeit 4 Kraftwerken in diesem Gebiet alleine circa 13% des gesamten CO²-Ausstoßes der BRD.
Auch hier formiert sich langsam Widerstand, im späten Sommer 2011 besetzten etwa 60 Aktivist*innen die Hambachbahn (wichtigster Braunkohlezubringer des RWE­-Konzerns) und blockierten so zum ersten Mal in der Geschichte der BRD einen Kohlezug.

Gas:
Hydraulic Fracturing (kurz Fracking) ist ein Verfahren zum Abbau von Gaslagerstätten in der Erde. Dabei werden durch einige Bohrlöcher Unmengen an Wasser, das mit vielen giftigen Chemikalien versetzt ist, in den Boden geleitet um damit Erdgas zu lösen und förderbar zu machen. Das Grundwasser in diesen Gebieten wird dabei nachhaltig vergiftet. Diese Technik wird in den USA bereits im großen Stil angewendet und soll nun auch in Deutschland Einzug halten.
Während es in Nordrhein­-Westfalen ein Moratorium gibt, so dass dieses Verfahren dort vorerst nicht zur Anwendung kommt, soll in Niedersachsen nach ersten Erkundungen mit dem Fracken begonnen werden.