Aktions-Fahrradkarawane von Ost- nach Westdeutschland im Juli und August 2013 und Trampkarawane vom Südwesten ins Rheinland im August suchen Mitstreiter_innen – Denn unsere Energiewende sieht anders aus!

Neue Initiativen gegen Fracking oder CCS, Waldbesetzungen und Kohlezugblockaden im Rheinischen Braunkohlerevier, Proteste gegen Kohleimporte beim Hamburger Hafengeburtstag: Es ist ganz schön Fahrt in die Klimabewegung gekommen! Wir werden aber noch einen Gang zu legen: Mit einer großen Fahrradkarawane und einer Trampkarawane wollen wir Stationen aktueller Energiekämpfe verbinden. Losgeradelt wird nach bisherigem Stand Mitte Juli auf dem Klimacamp im Braunkohlerevier in der Lausitz. Per Anhalter sind wir Ende August ab Freiburg unterwegs. Ziel beider Karawanen sollen das Klimacamp im Rheinland (23.08.-01.09), das daran anschließende ‚Reclaim the Fields’ Camp(28.08-05.09) und die viertägigen Aktionstage während der Überschneidung beider Camps sein. Spannend soll die Tour aber auch durch die Stationen und Thematiken werden, die zwischen Start und Ziel liegen.

Die Tour kann jedoch nur zustande kommen, wenn sich Gruppen und Einzelpersonen aus den verschiedensten Perspektiven einbringen. Das ist auf verschiedenste Weise möglich:

  • Beteiligt euch an der Gesamtorganisation der Tour!
  • Organisiert eine Station der Tour oder bereitet sogar eine Aktion vor, an der sich viele beteiligen können!
  • Oder fahrt als Gruppe oder als Einzelpersonen einfach auf der Tour mit und bringt die Themen, die euch wichtig sind ein!
  • Macht während des Zeitraums der Tour (oder auch davor oder danach) Aktionen oder andere Aktivitäten und stellt sie in den Kontext der ‚Reclaim Power Tour’. Wir können das dann auf unserer Homepage veröffentlichen und wenn gewollt Pressearbeit dazu machen.

Für die ‚Haupttour’ der Fahrradtour wollen wir bald schon feste Stationen mit Datum veröffentlichen. Geplant ist bis jetzt:

  • Klimacamp in der Lausitz (gegen den lokalen Braunkohletagebau – Start wahrscheinlich Mitte Juli)
  • Cottbus
  • Berlin (Enegietisch, A100, Protestcamp der Geflüchteten)
  • Stendal/ Altmark (CCS, Fracking, RWE Steinkohlekraftwerk Arneburg)
  • Lüchow/ Wendland (Atommüll, Fracking)
  • Wietze (Schlachthof,Energie für Tierausbeutung- Nein Danke)
  • Hannover
  • Gerden (Solidarische Landwirtschaft?)
  • Osnabrück (Fracking)
  • Münster (Atomkraft)
  • Dortmund (RWE Filz)
  • Essen (RWE Hauptzentrale)
  • Düsseldorf (Rheinmetal)
  • Köln (Critical Mass)
  • Rheinland/ Klimacamp 23.08.-01.09. + reclaim the fields Camp 28.08-05./08.09 (Braunkohle, Landraub, Zerstörung von Dörfern…)

Die Tour auf einer Karte.
Über „Zuflüsse“ von Radlern z.B. von Hamburg oder aus den Niederlanden würden wir uns freuen.

Die vorgeschlageneRoute ist ein Vor-ab-route. Mit eurer Hilfe können die Route verfeinert und die Stationen sicherer werden.
Wenn ihr selber an Orten auf der Strecke lebt oder Menschen, Gruppen, Themen kennt die auf der Strecke liegen oder in der Tourgruppe mitarbeiten wollt, kontaktiert uns doch bitte. Die Tour wird erfolgreicher desto mehr Menschen sich an der Organisation beteiligen, Verantwortung für Stationen übernehmen und – GANZ WICHTIG: Mitfahren! Empowerment!

Eine Karte mit unserem derzeitigen Planungsstand der Route findet ihr demnächst  auf der „Reclaim Power Tour“ – Internetseite unter dem Button „Tour“. Nachdem bisherigen Stand der Planung hat die Karawane eine Gesamtstrecke von 800 km. Wir planen Tagesetappen von etwa 50 km. Das Tempo und der Charakter der Tour richtensich nach den Menschen, die mitfahren und mitorganisieren. Energiekämpfe  entwickeln ihre Stärke erst durch die Vielfalt der beteiligten Menschen und ihren Aktionsformen. Und von dieser Vielfalt soll die Tour geprägt werden.

Wenn ihr Energiekämpfe führt, die nicht an der Strecke liegen: organisiert Zuflüsse zur Tour! Dann könnten von anderen Orten aus kleinere Touren organisiert werden, die zur Hauptkarawane hinzutreffen.
Natürlich ist es bei ausreichend Kapazitäten auch möglich eine parallele Tour zu organisieren. So ist gerade eine Süd-Tour (für die es in Zukunft hier Infos geben wird) von Baden-Würtemberg aus in Überlegung.

Wenn ihr euch einbringen möchtet, schreibt uns am besten möglichst früh eine Mail und informiert uns über eure Pläne, dann können wir sie im Kontext der Tour bewerben. Im Anhang findet ihr außerdem ausführliche Informationen zu den bisherigen Planungen.

Kontaktdaten: radel-energie-karawane@lists.riseup.net

Lest hier im Detail, wer wir sind und was wir vorhaben:

Unsere Energiewende sieht ganz anders aus:

„Für die ‚Energiewende’ sind auf einmal alle. Egal ob RWE und Vattenfall, die Bundesregierung oder die ‚FAZ’. Auch wir sind für die Energiewende, aber für eine ganz andere! Die Stromriesen schreiben ‚Energiewende’ auf ihre Werbeplakate und meinen: mehr Akzeptanz für Brückentechnologien aus Kohle und Atom – mehr Profit.

Wir dagegen wollen einen sofortigen Ausstieg aus fossilen und nuklearen Technologien. Denn die Schäden, die daraus an Natur, Mensch und Klima entstehen, sind sowohl irreversibel, als auch tödlich. Power to the concerned people!

Wo die großen Energieversorger von einem europaweiten Verbundnetzwerk über ganz Europa à la DESERTEC träumen – sich also noch mehr Zentralisierung bei der Versorgung und von Macht wünschen, bei einer gleichzeitigen Externalisierung der Auswirkungen in die Peripherien von Europa und Nordafrika – wollen wir eine Dezentralisierung und Selbstbestimmung der (betroffenen) Menschen. Power to the people!

Wo die Bundesregierung billigen Strom für die Industrie will und dafür die Kosten auf die Privatverbraucher_innen abwälzt, was dazu führt, dass immer mehr Menschen ihren Strom nicht mehr zahlen können und ihnen dieser abgedreht wird, wollen wir eine Energieversorgung, die die Deckung konkreter Bedürfnisse sichert, was nur außerhalb einer wirtschaftlichen Logik der Wertvermehrung möglich ist. Power to the people!

Die Ausbeutung fossiler Rohstoffe ist auf einem Höhepunkt: Öl, Gas, Kohle – es wird tief gegraben, in der Tiefsee gebohrt, es werden Hügel gesprengt und Chemikalien in den Boden gepumpt – Das zunächst in den Ressourcen gespeicherte CO2 bahnt sich durch ihre Weiterverarbeitung seinen Weg zurück in die Atmosphäre. Der menschengemachte Klimawandel schreitet derzeit immer weiter fort. Schon heute führen die dadurch entstehenden Wetterextreme zu Überschwemmungen, Dürren und tödlichen Stürmen, welche vor allem Menschen im Globalen Süden in Verelendung und zur Flucht treibt . Wir möchten uns mit den Menschen solidiarisieren – sowohl mit denen, die schon jetzt vom Klimawandel betroffen sind, als auch mit allen, die überall auf der Welt gegen die anhaltende Ausbeutung kämpfen. Power to the People – Here and everywhere!

Die Absurdität der gegenwärtigen Logik der Stromversorgung lässt sich schön an einem Deal zwischen dem RWE und der Bundesregierung in den 60er Jahren verdeutlichen: RWE, als wichtigster Stromversorger, war anfangs nicht begeistert von Investitionen in die Atomkraft. Die Bundesregierung mit ihren Atom-Ministern wollte RWE aber unbedingt dazu überreden. Der letztendliche Deal: RWE investierte, mit der Bedingung, dass die Bundesregierung für einen steigenden Energieverbrauch sorgte. Gleichzeitig startete die Märchenerzählung, welche wir alle nur zu gut kennen: Ohne die Atomkraft gehen die Lichter aus. Genau gegenteilig wollen wir eine Stromversorgung, die von den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen ausgeht und deren Maxime gleichzeitig umweltverträgliche Sparsamkeit ist. Diese Ziele stehen im krassen Gegensatz zur kapitalistischen Stromversorgung. Power to the people!

Was erhoffen wir uns von der Tour?

Die Tour fällt gerade in den Zeitraum der Bundestagswahl bei der die Energieversorgung eines der Haupt-Wahlkampfthemen sein wird. Zuerst hatten wir Angst, die Tour könnte durch Wahlwerbungen vereinnahmt werden. Doch jetzt sehen wir vor allem die Chance, in eine bereits stattfindende Debatte mit antagonistischen Positionen intervenieren zu können.

Viele Menschen geraten auf verschiedene Weise und aus verschiedenen Gründen in Konflikt mit der herrschenden Energieversorgung: Sei es aufgrund lokaler Betroffenheit von Kohleabbau oder Atomkraftwerken in der Nachbarschaftnutzen wollen. Auch von Gruppen, die mit Rechten zusammenarbeiten, wollen wir uns distanzieren.

Die Tour wird einen bewegungsorientierten Charakter haben. Wir wollen die Gelegenheit nutzen, mit vielen Aktiven an Orten der energiepolitischen Auseinandersetzungen zu sein, um mit kleinen und größeren Aktionen zu zeigen, dass Widerstand fruchtbar ist. Jede Aktion ist eine Kampfansage an die Resignation! Die Tour soll den Energieriesen realen Widerstand bringen.

Wir erhoffen uns eine Wirkung, die lange über den eigentlichen Zeitraum der Tour hinweg anhält. Wir erhoffen uns, dass die verschiedenen Energiekämpfe in Zukunft stärker zusammengedacht werden. Denn nur über deren Zusammendenken ist es möglich, von der Opposition gegen die Auswirkungen der einzelnen Teilbereiche zur Opposition gegen die gesamte Logik der Energieversorgung zu gelangen. So wie es ist, wird es nicht bleiben, denn die kapitalistische Energieversorgung zerstört die Grundlagen menschlichen Lebens auf diesem Planeten. Bisher ist ein Kapitalismus ohne Welt leichter vorstellbar als eine Welt ohne Kapitalismus, eine Organisierung in Herrschaftsverhältnissen leichter als eine Organisierung ohne, und gegen die Herrschaft. Über das Zusammendenken der Energiekämpfe wollen wir dazu ermutigen, sich eine Energieversorgung vorzustellen, die von Menschen für Menschen organisiert ist, anstatt ausschließlich auf Profit aus zu sein. Mut machen wollen wir auch, für diese Vorstellung zu kämpfen.

Wir brauchen keine Energie, um damit Waffen zu produzieren, wir brauchen keine Energie für Schlachthöfe, wir brauchen keine Energie für die Produktion von Werbung, die erst ein Bedürfnis für andere energieintensive Produkte schafft. Dies zeigt, dass die Energieversorgung weder isoliert vom sonstigen wirtschaftlichen Treiben, noch von weiteren Herrschaftsformen gesehen werden kann. Herschafftsformen, wie Sexismus und Rassismus, durchziehen alle Gesellschaftsbereiche und sind auch im Bezug auf die bestehende Energieversorgung unmittelbare Grundlage für Unterdrückung. Eine emanzipatorische Energieversorgung kann also nur mit der grundlegenden Bekämpfung aller Formen von Herrschaft einhergehen. Da unsere Strukturen nicht frei von diesen Widersprüchen sind, wünschen wir uns auf der Karawane einen kritischen Umgang z.B. mit Sexismus, Rassismus, Homophobie, Handicapism…

Dennoch wollen wir uns auf die Energieversorgung konzentrieren, weil sie einen großen Teil zur Umwelt- und Klimazerstörung beiträgt, weil viele Menschen persönlich leidvoll von den verschiedenen Formen der Energieversorgung und -erzeugung betroffen sind und weil die Bereitstellung von Energie heute der Ausgangspunkt jeden Wirtschaftens ist. Die Frage, wofür Energie produziert wird, soll bei der Tour einen zentralen Stellenwert einnehmen. Damit bietet die Tour Anknüpfungspunkte für viele andere Bewegungen, die an anderen Stellen der Produktion (oder bei einer generellen Kritik des Wirtschafts- oder Herrschaftssysteme) ansetzen. So ist zum Beispiel das ‚Reclaim the Fields Camp’, das im Anschluss an das Klimacamp im Rheinland stattfinden wird, und eine antikapitalistische Praxis der Landwirtschaft verfolgt, ebenfalls Teil der Reclaim Power Tour.

Thematisch gibt es viele Anknüpfungspunkte: Neben den konkreten Energiekämpfen, wie Anti-Atom, Anti-Kohle, Anti-Fracking, Anti-CCS, ist eine Beteiligung von Gruppen, die Energieversorgung aus einer sozialen Perspektive kritisieren, erwünscht. Weitere Anknüpfungspunkte bestehen zum Beispiel für Gruppen der ‚Solidarischen Landwirtschaft’ und gegen Landgrabbing über das ‚Reclaim the Fields’. Für Friedensinitiativen oder antimilitaristische Gruppen, denn ein guter Teil der erzeugten Energie geht in die Rüstungsindustrie – besonders im Rheinland. Peer Steinbrück, der bis vor kurzem im Aufsichtsrat beim Kriegsgeräteproduzenten Thyssen-Krupp saß, versprach dort laut Protokoll, sich für billigeren Strom für Thyssen-Krupp einzusetzen! Auch Initiativen, die sich für Flüchtlinge und Asylsuchende einsetzen finden in den Karawanen Platz, weil Millionen von Menschen durch Kriege um fossile Energien und durch die Auswirkungen des Klimawandel ihr Land verlassen müssen.

RECLAIM POWER!

 

Das Netzwerk „Energiekämpfe in Bewegung“ (EkiB) ist im Januar 2012 aus dem Klima!bewegungsnetzwerk (K!BN) hervorgegangen und setzt sich ein für eine global gerechte, von Bürger_innen kontrollierte, soziale und ökologische Energieversorgung.

Folgende Gruppen sind an der Organisation der Reclaim Power Tour schon beteiligt: